Mein Freund der Baum

 

Betrachten wir eine 80jährige, freistehende Buche. Ihre durchschnittlichen Ausmaße sind bei guten ökologischen Bedingungen:

Höhe                                                                                                   25 m
Kronendurchmesser                                                                     15 m
Kronen-Rauminhalt                                                             2.700 m3
bedeckte Standfläche                                                                160 m2
Zahl der Blätter                                                             800.000
gesamte Blattoberfläche                                                       1.600 m2
Holzmenge                                                                15 m2
Holztrockengewicht                                                             12.000 kg

Was gibt uns dieser Baum?
In dürren Zahlen:

Die physikalischen Funktionen

  • Windschutz: Sie mindert die Windgeschwindigkeit in Bodennähe um bis zu 50 Prozent
  • Staubfilterung: bis zu einer Tonne Staub pro Jahr
    (zum Vergleich: baumbestandene Quartiere
    - 3.000 Staubteilchen pro m3 Luft;
    in baumlosen Quartieren
    - 10.000 bis 12.000 Staubteilchen pro m3 Luft)
  • Schalldämpfung: ca. 1,5 dB je 10 m Bewuchstiefe
  • Schattenspender

Die physiologischen Funktionen

  • Sauerstofferzeugung: 4,6 t pro Jahr
    Dies entspricht dem sauerstoffbedarf von 10 Menschen
  • Kohlendioxid-Aufnahme: 6,3 t pro Jahr
    Pro Kopf wurden aber in der Bundesrepublik (alte Bundesländer) incl.der industriellen Produktion 14 t pro Jahr erzeugt. So werden zB. beim Verbrennen von
    1.000 Liter Heizöl 11.000 m3 schadstoffhaltige Abgase produziert.
  • Verdunstung: an einem sonnigen Tag bis zu 400 Liter - und damit eine Erhöhung der relativen Luftfeuchtigkeit um 10 %.
  • Abkühlung: in baumbestandenen Quartieren im Sommer bis zu 3 Grad tiefere Temperaturen im Vergleich zu baumlosen Straßenzügen.

Andere, ebenso wichtige Funktionen lassen sich nicht in Zahlen ausdrücken:

Psychologische Werte

  • Natur wirkt entspannend und schöpferisch anregend
  • grüne Farbtöne wirken beruhigend
  • Grünschatten mit seinem Lichtspiel ist angenehmer als toter Blauschatten von Gebäuden
  • der jahreszeitliche Wandel bindet an natürliche Rhythmen an
  • Geborgenheit durch raumbildung: Bäume gliedern und strukturieren den Siedlungsraum
  • Steigerung von Erholungs- und Wohnwert
  • Orientierungshilfe

Ethische Werte

  • kultureller und geschichtlicher Wert (zB. Gerichtsbaum, mit Sagen verbundene Bäume)
  • Bäume, die zu speziellen Anlässen gepflanzt wurden (Geburt, Hochzeit)
  • Bestandteil von Baudenkmälern (Ensemble-Wirkung)
  • Bäume als Naturdenkmäler (seltene Art, besonders stattliche oder alte Exemplare - zB. Bavaria-Buche)

Und schließlich erfüllen Bäume auch wichtige ökologische Funktionen. Sie bilden nicht nur einen Bestandteil umfassender Ökosysteme, sondern stellen auch wertvolle Lebensräume für artspezifische Lebensgemeinschaften dar. Diese Rolle können sie selbst als isolierte Einzelexemplare mitten im Siedlungsgebiet erfüllen!
Eine Eiche ist zB. Lebensraum für folgende Tierarten:

  • Blaumeise
  • Siebenschläfer
  • Buntspecht
  • Kohlmeise
  • Kreuzspinne
  • Langohrfledermaus
  • Eichenspinner
  • Eichengallwespe
  • Waldkauz
  • Hirschkäfer
  • Heldbock und dessen Larve u.v.a.m.

Gefahren

Die zunehmende Technisierung und der Einsatz verschiedenster chemischer Stoffe im Siedlungsraum bringt immer neue Gefahren für die Bäume. Die Folgen des Einsatzes zu großer Baumaschinen und Geräte, von unüberlegten Baustelleneinrichtungen, der Nichtberücksichtigung bestehender Bäume in der Planung oder der fahrlässigen Verwendung von Taumitteln (Streusalz) werden oft erst bemerkt, wenn die Bäume zu sterben beginnen.

In einer gesunden Umwelt sind auch die Bäume gesund. Die wichtigste Voraussetzung für ihr Wohlergehen ist das Sichern einer genügend großen und gesunden Umgebung. Dafür müssen vorbeugende Maßnahmen getroffen werden. Ist ein Baum erst einmal krank, so steigt der Aufwand für seine Rettung unverhältnismäßig.

Nicht nur abgestorbene Bäume müssen ersetzt werden; es ist auch noch genügend Platz in Herbolzheim, um Bäume neu anzupflanzen. Der BUND Herbolzheim führt regelmäßig Pflanzaktionen durch. Aber auch Sie sind dazu aufgerufen, im eigenen Garten den Baumbestand zu erhalten und nach Möglichkeit zu ergänzen.

Der BUND Herbolzheim hat in einer Aktion am vorletzten Wochenende im Stadtgebiet und in den vier Ortsteilen Bäume mit Plakaten versehen, um ihren Wert augenfällig zu machen. Selbstverständlich hat diese Auswahl lediglich Beispiel- charakter. Aber vielleicht regt es Sie dazu an, für einen Baum in ihrer Nachbarschaft (auf öffentlichem oder eigenem Grund und Boden) eine Patenschaft zu übernehmen. Wenn ja, setzen Sie sich mit unserer Ortsvorsitzenden ... in Verbindung.

 

Klaus Schramm,
zusammengestellt teilweise aus nicht mehr rekonstruierbaren Originaltexten - für den BUND Herbolzheim

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