25.02.2005

Artikel

Öko-Landwirtschaft
in Deutschland ausgebremst

Von Agrar-Wende ist nur noch auf Messen die Rede

Laut Statistischem Bundesamt wuchs die nach der (sehr laxen) EU-Vorschrift ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland bis 2003 auf rund 730.000 Hektar. Das sind die neuesten verfügbaren Zahlen. Während von 1999 auf 2000 der Zuwachs noch bei 22 Prozent und von 2000 auf 2001 bei 15 Prozent lag, wurde die Entwicklung in den beiden Jahren 2002 und 2003 stark abgebremst: Sowohl die Zahl der Betriebe als auch die bewirtschaftete Fläche wiesen mit rund fünf Prozent die geringste Zuwachsrate seit 1995 auf.

Damit lag 2003 die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland im Verhältnis zur gesamten landwirtschaftlich bewirtschafteten Fläche (17 Mio. Hektar) erst bei knapp über 4 Prozent. Im europäischen Vergleich ist dies ein äußerst klägliches Bild.1

Dabei wuchs der Markt für ökologische Lebensmittel laut 'Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft' (BÖLW) im Jahr 2004 zwischen 10 und 12 Prozent. Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln lag im Jahr 2004 bei knapp 3,5 Mrd. Euro. Mit marktwirtschaftlichen Gründen ist das Agieren der "grünen" Ministerin Renate Künast also nicht zu erklären, die ganz entgegen ihrem in den Mainstream-Medien verbreiteten Image bremst statt fördert. Auch mit der Zulassung von genmanipulierten Nutzpflanzen zum Anbau dient sie völlig im Widerspruch zu ihrem Image den Interessen von Agrar-Industrie, Saatgut- und Chemie-Konzernen.

Betrachten wir die unter strengeren Auflagen wirtschaftenden Landwirte, die in den Mitgliedsverbänden der BÖLW organisiert sind, hat deren Anbaufläche 2004 sogar nur um 2,1 Prozent zugenommen. Und erstmals stagnierte die Anzahl der Öko-Betriebe in diesem Bereich. Diese Zahlen müssen jedoch auch im Zusammenhang mit der Gesamtentwicklung der deutschen Landwirtschaft gesehen werden. Angesichts von 15.700 Bauernhöfen, die im Jahr 2004 aufgegeben haben und einem Flächenverlust von 8.100 Hektar, wird deutlich, daß sich die ökologische Landwirtschaft gegen den Trend zu Großbetrieben und zur industriellen Landwirtschaft behaupten kann.

"Damit wird der ökologische Landbau zu einem Faktor der Stabilisierung von Arbeitsplätzen und Zukunftschancen im ländlichen Raum", betonte der BÖLW-Vorsitzende, Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, in einer Pressekonferenz auf der kürzlich stattgefundenen Biofach, der weltgrößten Messe für Naturkost und Naturwaren, in Nürnberg. Er wies darauf hin, daß in Erzeugung, Verarbeitung und Handel ökologischer Lebensmittel im letzten Jahrzehnt rund 75.000 neue Arbeitsplätze entstanden seien. Zugleich kritisierte er, daß nach wie vor auch unter "Rot-Grün" die Bio-Betriebe im Durchschnitt weniger Förderung erhielten als konventionelle.

 

Klaus Schramm

 

Anmerkungen

1 Siehe auch unsere Artikel

      'Agrar-Wende? - Nichts als heiße Luft' (24.01.04)

 

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