11.04.2001

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Zu den letzten CASTOR-Blockaden
So stark war der Widerstand gegen Castor-Transporte nach Frankreich noch nie

Manche Zeitungen schreiben jetzt, der Widerstand hätte gegenüber Gorleben deutlich abgenommen. Aber das ist der falsche Maßstab. Daß sich in einer Region wie dem Wendland, die zur Atommüllkippe Deutschlands werden soll, und in der es eine Widerstandstradition von einem viertel Jahrhundert gibt, mehr Menschen wehren, als an AKW- Standorten, an denen normalerweise nur sehr kleine BIs den Betrieb der laufenden Anlagen kritisch begleiten, das ist doch klar. Wesentliche Bezugsgröße zur Einschätzung der Proteste in Grafenrheinfeld, Philippsburg und Hagenbach ist das, was bisher zu WAA-Transporten gelaufen ist. Da gab es zwar immer wieder kleinere und auch mal größere Aktionen, aber so flächendeckend und öffentlichkeitswirksam wie diesmal war der Widerstand noch nie. Also: ein voller Erfolg.

Aus der Bilanz-Presseerklärung von X-tausendmal quer: "In der Vergangenheit sind die Atommüllfuhren ins Ausland oft unter Ausschluß der Öffentlichkeit gerollt, diesmal hat die ganze Republik mitbekommen, daß die deutschen Atomkraftwerke auf Kosten von Leben und Gesundheit der Menschen rund um die Wiederaufarbeitungsanlage La Hague betrieben werden. Es ist mehr als deutlich geworden: Eine wirkliche Entsorgung der Reaktoren gibt es nicht, sondern nur ein Verschieben des Atommülls quer durch Europa. Unsere Forderung nach einer sofortigen Stillegung der AKWs hat so neue Nahrung erhalten."

Schön war auch zu sehen, wie sich die unterschiedlichen Organisationen, Initiativen und Aktionsgruppen der Anti-Atom- Bewegung in ihren verschiedenen Handlungsansätzen sehr gut ergänzten und zusammenarbeiteten. Nicht nur in Grafenrheinfeld und Gochsheim in Bayern, Philippsburg in Baden-Württemberg und Hagenbach in Rheinland-Pfalz wurde demonstriert. Solidaritätsaktionen fanden in mindestens auch in Stade, Gorleben, Essen und Göttingen statt. Insgesamt waren in den Tagen von Sonntag bis Dienstag bundesweit 3.000 Menschen an Aktionen gegen den Transport beteiligt. Wann hat es soetwas schon mal gegeben?

Vielleicht sind manche traurig oder frustriert, daß es nicht öfter gelungen ist, auf die Schienen zu kommen und den Zug zu stoppen. Die Übermacht der Polizei z.B. in Philippsburg war ja riesig. Aber glücklicherweise ist es ja dann in Hagenbach doch noch gelungen, den Zug aufzuhalten. Bei aller Freude über eine gelungene Blockade, sind diese Aktionen ja nicht Selbstzweck, sondern sollen öffentlich deutlich machen, daß wir den europäischen Atommülltourismus ablehnen. Und das wird auch deutlich, wenn wir mit vielen vor Ort sind, aber die Polizei mit noch mehr Leuten Aktionen verhindert. Wichtig ist, daß öffentlich wahrnehmbar ist, daß der Streit um die Atomkraft weitergeht. Und das ist die letzten Tage uneingeschränkt gelungen.

Daß sich angesichts der schon terminierten nächsten Transporte auch in Süddeutschland irgendwann die Frage stellt, wie viel die Polizei verkraften kann, ist bei diesmal 5.000 eingesetzten BeamtInnen schon absehbar. Schließlich waren viele schon vor zwei Wochen beim Gorleben-Transport im Einsatz und schon in zwei Wochen soll der nächste Transport - diesmal aus Neckarwestheim nach Sellafield rollen.

'X-tausendmal quer' wird auch nach Neckarwestheim mobilisieren. Deshalb schon jetzt an alle LeserInnen die Bitte: überlegt, ob Ihr im Zeitraum 22. bis 24. April Zeit habt, um Euch an den Aktionen auf der Straßenstrecke Neckarwestheim- Walheim und dann nochmal bei der Abfahrt des Castor-Zuges von der Umladestation Walheim zu beteiligen.

Aus der Presseerklärung: "Wir werden wieder vor Ort sein und erneut demonstrieren, denn wir wollen, daß der gefährliche und sinnlose Atommüll-Tourismus quer durch Europa endlich aufhört. Einzig verantwortbare Lösung ist dabei der Stopp der Atommüll- Produktion. Der derzeitige politische Streit darüber, ob nun mehr strahlender Abfall in Gorleben, an den AKW-Standorten oder im Ausland gelagert werden soll, zeigt nur, wie ratlos die Politik angesichts des stetig wachsenden Atommüllberges ist. Nicht wer sich gegenseitig die Verantwortung und den Atommüll in die Schuhe schiebt, erreicht etwas für die kommenden Generationen, sondern nur, wer Atomkraftwerke wirklich stillegt, und zwar jetzt und nicht erst in einigen Jahrzehnten."

Abschließend auch an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank allen, die vor Ort oder auch in Gedanken dabei waren, allen die finanziell oder mit guten Ratschlägen etwas beigetragen haben und allen, die sich in ihrem Umfeld darum bemühen, die Diskussion um Atomkraft am Laufen zu halten. Gemeinsam sind wir auf einem guten Weg...

 

Jochen Stay

 

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