27.01.2004

Artikel

Abspaltung der Berliner DFG-VK
wegen ungeklärter Vorwürfe

Bereits unmittelbar nach der letzten Bundesausschuß-Sitzung der DFG-VK (Deutsche Friedensgesellschaft / Vereinigte Kriegsdienst- gegnerInnen) am 25. Januar in Kassel gingen die Delegierten des DFG-VK-Landesverbandes Berlin-Brandenburg mit einer Presseerklärung und heftigen Vorwürfen an die Öffentlichkeit. Zuvor waren sie aus der Sitzung ausgezogen. Nach übereinstimmenden Aussagen einer großen Zahl der übrigen Delegierten, schlugen sie Gesprächsangebote, um die Vorwürfe und die Kontroverse zu klären, aus.

Nach der Darstellung der Berlin-Brandenburger Delegierten, die ungeprüft in der heutigen 'jungen welt' wiedergegeben wird, hat ein nordrhein-westfälischer Delegierter Dinge gesagt, die - so sie denn so gesagt wurden - tatsächlich als rassistisch zu bezeichnen sind. Darüber hinaus beschuldigt die Berliner Delegierte und im Eklat vom Amt einer der BundessprecherInnen zurückgetretenen Gerit Ziegler, die "übergroße Mehrheit der anderen Delegierten" habe geschwiegen oder gar wie der Bundessprecher Jürgen Grässlin "für beide Seiten" Verständnis geäußert. Letztere Beschuldigung tauchte allerdings in der Darstellung der Vorgänge in der 'jungen welt', die ansonsten präzise der Pressemitteilung der Berlin-Brandenburger Delegierten folgt, nicht mehr auf.

Von Seiten der Berlin-Brandenburger wird als Anlaß des Eklats eine Kontroverse genannt, die allerdings nach Darstellung der Gegenseite nur auf einem Mißverständnis basierte. "Unmittelbarer Anlaß der Auseinandersetzung war die Diskussion um die Beratungsstelle für türkisch-kurdische Kriegsdienstverweigerer, die angesichts einer schwierigen Haushaltslage nicht mehr finanzierbar sei." Demgegenüber erklärt der Bundessprecherkreis in einer aktuellen Stellungnahme, die Abschaffung der Beratungsstelle für kurdische und türkische Kriegsdienstverweigerer habe nie zur Debatte gestanden und sei auch nach dem Auszug der Berlin-Brandenburger nicht erfolgt. Die anwesenden Delegierten hätten sich von Beginn an einhellig für die Beibehaltung der Beratungsstelle ausgesprochen. Ein Antrag auf Abschaffung oder Streichung der Stelle habe nicht vorgelegen. Und der Bundeskassierer habe im Haushaltsentwurf 2004 unverändert den bekannten Betrag für die Stelle ausgewiesen.

Bei einer kontroversen Diskussion über die unterschiedliche finanzielle Ausstattung einer vorgeschlagenen Bundesgeschäftsführerstelle einerseits und der Beratungsstelle für kurdische und türkische Kriegsdienstverweigerer andererseits, kam es nun zu Äußerungen des nordrhein-westfälischen Delegierten, die von der einen Seite so wiedergegeben werden: "Ich mache Politik für Deutsche." und "Ich habe zehn Jahre mit Türken zusammengearbeitet und kenne die Mentalität dieser Menschen." und - in indirekter Rede: Diesen warf er vor, nur die Dienste der DFG-VK in Anspruch zu nehmen, ohne dafür angemessen zu bezahlen. Der Landesverband Berlin-Brandenburg, so ein weiterer Vorwurf dieses Delegierten, kümmere sich nur um Türken und zu wenig um Deutsche.

In der heutigen Presseerklärung der DFG/VK, die für den Bundessprecherkreis von Bernd Baier, Jürgen Grässlin, Wolfgang Menzel, Felix Oekentorp und Thomas Rödl unterzeichnet ist, heißt es dagegen: " Die Diskussion, ob und wie es möglich sei, die Finanzierung dieser mehrheitlich als notwendig und wichtig angesehenen Mitarbeiterstelle dadurch langfristig zu sichern, daß sich die Gliederungen des Verbandes in einem angemessenen Umfang daran beteiligen, wurde von den Delegierten des Berliner Landesverbandes durch gezielte und unsachliche Dramatisierung und Emotionalisierung systematisch erschwert und eskaliert. Noch bevor überhaupt ein qualifiziertes breites Meinungsbild entstehen und Anträge formuliert werden konnten, nahmen sie Äußerungen eines Delegierten zum Anlaß, diesem und in der Folge der Mehrheit des Bundesausschuss >>Rassismus<< bzw. >>rassistisches Verhalten<< zu unterstellen und verließen unter lautstarkem Protest den Versammlungsraum. Die Delegierten des Berliner Landesverbandes zeigten anschließend keinerlei Interesse an einer Konfliktlösung oder -deeskalation und reisten ab." Weiter wird von der Mehrheits-Seite betont, daß die Äußerungen des nordrhein-westfälischen Delegierten nicht einmal mißverständlich gewesen seien. Dieser habe klar gesagt, er kennen die kurdischen und türkischen Kriegsdienstverweigerer gut genug, um zu wissen, daß sie aus eigenem Antrieb gerne ihrerseits einen Anteil an den Kosten der Beratungsstelle für kurdische und türkische Kriegsdienstverweigerer übernehmen würden.

Zu guter Letzt wurde der eigene Auszug der Berlin-Brandenburger Delegierten als "Ethnische Säuberungen in der DFG-VK" denunziert.

 

Klaus Schramm

 

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