20.11.2003

Albanien
Proteste gegen
genmanipulierten Mais

Ein Verband von Nichtregierungsorganisationen hat kützlich auf einer Pressekonferenz in Tirana gegen den geplanten Import von genmanipulierten Produkten aus den USA protestiert. Die "Gesellschaft für Organische Landwirtschaft" (Shoqata e Bujqesise Organike, ShBO ) übte Kritik an der albanischen Regierung, die den Import von gentechnisch veränderten Mais und Sojabohnen im Rahmen einer Hilfslieferung an Albanien zuließ. Die Gesellschaft betonte: "Die Entscheidung ist übereilt getroffen worden und auch in anderen Ländern auf dem Globus gibt es Proteste gegen solche Produkte".

Befürchtungen

Das albanische Parlament und die Regierung unter Fatos Nano haben grünes Licht für den Import von 10.000 Tonnen genmanipuliertem Mais und 6.000 Tonnen Soja gegeben. Der ShBO-Vorsitzende Lavdosh Feruni warnte, der Import werde Bio-Produkten Schaden zufügen." Die genetisch veränderten Produkte schaden den Unternehmen, den Kleinbauern und bringen das natürliche Ökosystem durcheinander", erklärte Feruni. Es wachse das Risiko, daß die einheimischen Pflanzen nach und nach assimiliert würden. Der Verband befürchtet schwere Umweltschäden und warnte vor den langfristigen gesundheitlichen Folgen einer Ernährung mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Scharf wurde auf der Pressekonferenz das Landwirtschafts- und Umweltministerium attackiert. Ein Bauer sagte: "Das Landwirtschaftsministerium hüllt sich in Schweigen und das Umweltministerium begrüßt den Vorgang".

Proteste angekündigt

Der Verband für Bio-Landwirtschaft, kündigte Straßenproteste gegen die Regierung an. Die Bauern in Albanien sind arm, aber mit ihren Bio- Produkten produzieren sie schmackhafte und gesunde Nahrung. Ihre Produkte sind noch auf dem albanischen Markt vertreten im Gegensatz zu fast allen industriellen Gütern, die einst im Land hergestellt wurden. Es gibt nur noch eine extrem minimierte albanische Industrie - sie war der Weltmarktkonkurrenz nicht gewachsen. Neben der albanischen Schwerindustrie wurde auch die Leichtindustrie durch die Wolfsgesetze des kapitalistischen Weltmarktes zerschlagen. Der albanische Markt wird von der EU, vor allem von Italien, als Absatzmarkt für Waren dritter Wahl genutzt. Albanische Kids tragen am Strand Fußballtrikots mit den Namen von Maradonna oder von Jürgen Klinsmann. Die albanischen Bauern leisten sozialen und politischen Widerstand gegen den kapitalistischen Weltmarkt. In dieser Auseinandersetzung gibt es neben der Möglichkeit des Erfolges für die Bio-Bauern auch noch eine andere Variante. Ein Bauer sagte am Rande der Pressekonferenz: "Wenn wir ruiniert werden sollen, dann bauen wir halt Pflanzen an, aus denen bestimmte Stoffe gemacht werden können. Die Substrate dieser Produktion können wir problemlos exportieren" Dafür gibt es in Europa wohlfeile Preise.

 

Max Brym

 

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