2.12.2003

Umfrage:
72 Prozent lehnen Gen-Food ab

Metro und Monsanto wollen Propaganda-Kampagne starten

Laut einer aktuellen, von Greenpeace in Auftrag gegebenen Emnid-Studie lehnen rund 72 Prozent der Deutschen Gentechnik im Essen ab - selbst dann, wenn sie über den Umweg des Tierfutters in Fleisch, Eiern und Milch auf den Tisch kommt.

Dennoch will der Metro-Konzern (außer den Metro-Großmärkten gehören dazu auch die Supermarkt-Ketten Real und Extra und die Kaufhof-Kette) im Gegensatz zu den meisten anderen deutschen Lebensmittel-Händlern und Konzernen seinen KundInnen Gen-Food andrehen. Kürzlich wurde Greenpeace ein internes Memo des Konzerns zugespielt, aus dem hervorgeht, daß Metro in Zusammenarbeit mit dem Gentech-Konzern Monsanto und zwei Werbeagenturen eine Kampagne vorbereitet, um Gen-Food zu promoten.

Von Monsanto stammen nach Angabe von Greenpeace weltweit rund 90 Prozent aller angebauten Gen-Pflanzen. In dem brisanten internen Papier über eine "Metro-Sitzung" wird die mangelnde Akzeptanz der deutschen KonsumentInnen für Gen-Food beklagt und die aus Sicht des Konzerns negativen Folgen einer Anti-Gentech-Kampagne von Greenpeace resümniert. Auch das Verhalten der Konkurrenz wird beschrieben, die dem Konflikt lieber aus dem Wege ginge und auf genmanipulierte Bestandteile bei ihren Produkten verzichten wolle. Die Frage wird aufgeworfen, wielange und zu welchen Kosten dies durchzuhalten sei.

Für eine gemeinsame Kampagne wird in dem Memo als Ziel fixiert, Tengelmann und Aldi sowie namhafte Markenartikler für eine Teilnahme zu gewinnen. Auch die im Lobbyverband Agricultural Biotechnology in Europe (ABE) zusammengeschlossenen Gentech-Unternehmen sollen schnellstmöglich ein Konzept erarbeiten, wie zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine "zielführende" Kommunikation zum Verbraucher aufgebaut werden kann. Dabei sei auch die europäische Dimension zu berücksichtigen und der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) mit einzubinden. Der BLL verfügt über ein recht aktives Lobbybüro in Brüssel und fungiert als wichtiger Ansprechpartner für Zeitungs- und Fernsehredaktionen in allen Themenbereiche der Ernährung. Er wirbt gerne mit dem Slogan "Transparenz nach innen und außen - die Öffentlichkeitsarbeit des BLL".

 

Frank Bayer

 

neuronales Netzwerk