Titel: Netzwerk REGENBOGEN radikales Wurzelwerk

Netzwerk Regenbogen ist eine neue, politische und antiparlamentarische Organisation. Ziel und Weg unserer Politik orientieren sich an den Prinzipien ökologisch, sozial, basisdemokratisch und gewaltfrei.

Martin L. King sagte einmal: "Wir werden niemals Frieden in der Welt haben, bevor die Menschen überall anerkennen, daß Mittel und Zweck, Weg und Ziel nicht voneinander zu trennen sind." Wir sehen, daß Frieden niemals durch den Abwurf von Bomben zustande kommen kann, daß ein Ausstieg aus der Atomenergie nicht erreicht werden kann, indem der Weiterbetrieb von AKWs abgesichert wird, daß die Zerstörung der Landschaft nicht gestoppt werden kann, indem immer größere Flächen für den Bau von Siedlungen, Industriegebiete und Straßen genehmigt werden, daß die Unterdrückung der Frau nicht beendet wird, indem einige Alibifrauen in höhere Ämter aufrücken dürfen, während der Durchschnittsverdienst der Frauen seit dem Ende der 60er Jahre unverändert bei rund 70 Prozent des Durchschnittsverdienstes der Männer stagniert, daß die Ausbeutung von zwei Drittel der Erdbevölkerung nicht durch schöne Reden beendet wird, während die Entwicklungshilfe-Etats gekürzt werden und 25 Prozent der Weltbevölkerung heute 70 mal reicher sind als die ärmsten 25 Prozent gegenüber einem Verhältnis von 30 zu 1 vor wenigen Jahrzehnten und gegenüber einem Verhältnis von 10 zu 1 vor hundert Jahren, ...

Ökologische Politik bedeutet für uns einerseits:

  • gewaltfreie CASTOR-Blockaden unterstützen
  • das Fällen von Allee-Bäumen durch direkte Aktionen verhindern
  • am Aufbau eines attraktiven Nahverkehrverbunds mitarbeiten
  • Blockheizkraftwerke, Solar- und Photovoltaik-Anlagen, Biogas-Anlagen und Windräder realisieren durch die Initiative engagierter Menschen vor Ort
    (Bsp. Schönau)
  • Direktvermarktung und geldfreien wirtschaftlichen Austausch (Tauschringe) voranzutreiben ...

            und gleichermaßen im privaten Verantwortungsbereich:

  • den eigenen Stromverbrauch reduzieren
  • Heizenergie sparsam verwenden
  • wenig Müll produzieren und diesen weitestgehend sortieren
  • wenig Auto fahren und statt dessen die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen
  • sich gesund ernähren - also z.B. mit wenig oder gar keinem Fleisch
  • mit Tieren verantwortungsvoll umgehen
  • achtsamer Umgang mit allen Dingen und Nahrungsmitteln entgegen der heutigen Verschleiß-, Wegwerf- und Konsumorientierung ...

Soziale Politik:

  • kritische Teilnahme an feministischen und gewerkschaftlichen Aktionen
  • Unterstützung von Initiativen zur Hilfe für Ausländer und Asylsuchende
  • Aufbau einer dezentral organisierten, von Geld und staatlichen Steuern unabhängigen Wirtschaft
  • auf kommunaler Ebene organisiertes Modell eines garantierten Mindesteinkommens
  • Mitfahr-Gemeinschaften und Car-Sharing organisieren (zugleich ökologisch und sozial !) ...

            und gleichzeitig:

  • solidarisches Verhalten zwischen Frauen und Männern
  • finanzieller Ausgleich zwischen besser und schlechter Verdienenden
  • Vermeiden von Waren, die auf internationaler Ausbeutung basieren (Textilien, Zitrusfrüchte,...)
  • Nachbarschaftshilfe, Organisation von Straßenfesten, Kultur und Konzerte auf dem Dorf und im Stadtteil

Basisdemokratische Politik:

  • Organisation lokaler Diskussionsforen
  • Vernetzung der verschiedenen nur auf ein Ziel gerichteten Bürgerinitiativen
  • Entscheidungsfindung ("Wir bauen uns unsere eigene, atomstromfreie Energieversorgung auf !") ohne Rücksicht auf Gemeinderäte oder Parlamente höherer Ebene
  • Ausbau basisbestimmten Lebens durch Ausweiten der gesetzlichen Lücken
  • Weiterentwickeln des Modells SprecherInnen-Rat

            und gleichzeitig:

  • Abbau dominierenden oder unterwürfigen Verhaltens
  • Entwickeln der eigenen "Streitkultur": Zuhören können, Argumente des Gegenüber in eigene Worte fassen, die Veränderung der eigenen Position als Gewinn schätzen lernen
  • auch die Stimmen von Kindern und Jugendlichen als gleichberechtigt anerkennen ...

Gewaltfreie Politik:

  • Mitarbeit in und Unterstützung von nichtstaatlichen Organisationen in Krisengebieten
  • Veröffentlichen der wenig bekannten Zusammenhänge zwischen Wirtschaftsmacht und Militär
  • Teilnahme an und Organisation von gewaltfreien Aktionen
  • gewaltfreie Trainings zur Einübung von Gewaltfreiheit in Gruppen

            und gleichzeitig:

  • Mut als Einzelperson, z.B. bei Schlägereien einzugreifen
  • auch den "Klaps" gegenüber Kindern als Anleitung zur Gewalt begreifen
  • Unterwürfigkeit und verbale Einschüchterung als Formen struktureller Gewalt erkennen und bekämpfen
  • in keinem Menschen einen Feind sehen

Hinter dieser gleichzeitigen Orientierung der politischen Arbeit auf die Gesellschaft und auf das Individuum steht ein neues politisches Konzept:
Eine Politik, die nur die gesellschaftliche Veränderung ins Auge faßt, aber die individuelle mit dem Argument ausblendet, vor der Schaffung einer neuen Gesellschaft, sei die Schaffung des "neuen Menschen" unmöglich, vergißt, daß zur gesellschaftlichen Veränderung Menschen benötigt werden.
Wer nur das Motto "Bei sich selbst anfangen" hochhält, blendet aus, daß wir Menschen weitgehend durch die Gesellschaft geformt werden, in der wir leben.
Gesellschaftsveränderung und individuelle Veränderung stehen in einer Wechselwirkung. Wir können diese Wechselwirkung für uns arbeiten lassen, wenn wir einen Ansatzpunkt finden, zugleich gesellschaftsverändernd und selbstverändernd politisch zu arbeiten. Der Berührungspunkt zwischen Gesellschaft und Individuum ist die Gruppe. Wir können versuchen - im Sinne der Einheit von Weg und Ziel - in kleinen Gruppen die neue Gesellschaft, soweit es uns möglich ist, zu verwirklichen und zugleich jedem Mitglied der Gruppe das Zuhause bieten, das ihr oder ihm die Kraft gibt, sich selbst als "soziale Plastik" (Joseph Beuys) zu bearbeiten.

Netzwerk Regenbogen wurde im Mai 1999 gegründet und hat keinerlei Vereins- oder hierarchischen Strukturen. Die einzelnen Gruppen vor Ort sollen nicht mehr als 10 bis 15 Leute umfassen, um allen Mitgliedern - auch weniger redegewandten - die Chance zu geben, mitzudiskutieren und mitzuentscheiden. Sobald eine Gruppe die kritische Größe von 16 Leuten erreicht, muß sie sich in zwei Gruppen spalten. Stimmrecht hat jedeR, die oder der regelmäßig mitarbeitet.
Die Vernetzung der einzelnen Gruppen erfogt durch einen SprecherInnen-Rat. Jede Gruppe entsendet eineN SprecherIn. Der SprecherInnen-Rat soll nun nicht seinerseits diskutieren und entscheiden, sondern lediglich zum Informationsaustausch über noch offene Fragen und unterschiedliche Positionen beitragen und diese Informationen in die Gruppen zurücktragen. Im ständigen Wechsel Gruppendiskussion und Austausch im SprecherInnen-Rat soll schließlich eine Lösung gefunden werden, die von allen beteiligten Gruppen vollständig mitgetragen wird.
(Zum Modell des SprecherInnen-Rats, zum Konsens-Prinzip und verwandten Themen liegen Texte vor, die Erfahrungen der vergangenen 20 Jahre widerspiegeln.)

Kontakt:
webmaster@netzwerk-regenbogen.de

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