13.12.2007

Artikel

BKA-Schikane
gegen linke Journalistin

"Terror-Verdacht" ad libitum

Am Montag, 10. Dezember, traf die 'Junge-Welt'-Journalistin Heike Schrader abends auf dem Flughafen Köln-Bonn aus Griechenland ein, um eine öffentlich angekündigte Lesereise in Deutschland anzutreten. Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) nahmen die 42-Jährige auf der Gangway unter dem Vorwand fest, sie habe von 1996 bis 1998 einer "terroristischen Vereinigung" angehört.

Wörtlich heißt es im Haftbefehl: "Die Beschuldigte war flüchtig und wurde seit dem Jahr 2001 mit Haftbefehl gesucht." Tatsächlich jedoch war Heike Schrader in den vergangenen Jahren mehrfach unbehelligt in Deutschland. Sie trat als Referentin in öffentlichen politischen Veranstaltungen auf, zuletzt im März dieses Jahres in Berlin. Von einem Haftbefehl war ihr nichts bekannt - und für eine flüchtige Terroristin erscheint ihr Verhalten zumindest recht unkonventionell.

Ebenfalls ohne irgendwelche konspirativen Manöver heiratete sie im Jahr 2002 einen Griechen und hat seitdem ihren Lebensmittelpunkt in Athen. Sie ist seit Jahren dort beim zuständigen Ministerium als 'Junge-Welt'-Korrespondentin akkreditiert. Ein merkwürdiges Licht auf den Ernst, mit dem deutsche und griechische Behörden offenbar mit der in den Mainstream-Medien hochgekochten Terror-Gefahr umgehen, wirft die offizielle Erklärung, Heike Schrader sei seit 2005 sogar international zur Verhaftung ausgeschrieben worden. Wenn eine vermeintliche Terroristin über Jahre hin unbehelligt ein- und ausreisen kann, legt dies den Schluß nahe: Die "Terror-Gefahr" in Deutschland dient lediglich dem Zweck, Kriege zu rechtfertigen und Bürgerrechte weiter einzuschränken.

Am Montag nun kam Schrader nach Deutschland, um das im Pahl-Rugenstein-Verlag erschienene Buch "Guantanamo auf griechisch. Zeitgenössische Folter im Rechtsstaat" über die linke griechische Stadtguerillagruppe 'Epanastatiki Organossi 17. Novembri' (Revolutionäre Organisation 17. November, kurz: '17N' ) vorzustellen. In dem Buch beschreibt Savvas Xiros, wie er nach seiner Verhaftung 2002 trotz schwerster Verletzungen von den Sicherheitsbehörden des EU-Mitgliedslandes Griechenland auf der Intensivstation in einem Athener Krankenhaus gefoltert und zu Aussagen erpreßt worden sei. Auch wer kein Anhänger des '17N' ist, kann das in dem Buch geschilderte Agieren von Polizei und Geheimdiensten in der Europäischen Union als skandalös und Verstoß gegen die Antifolterkonvention bezeichnen.

Die Verhaftung Schraders durch das BKA läßt zweierlei Interpretationen zu: Entweder das BKA hat bei der Terrorfahndung jahrelang geschlampt und eine mögliche frühere Verhaftung schlichtweg verpennt. Oder aber, deutsche Beamte agierten hilfsbereit auf einen Wink aus Athen, um die Journalistin mit einem "Terror-Vorwurf" zu diskreditieren.

Ein Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof hat Heike Schrader am Dienstagmorgen gegen Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt. So muß sie zunächst abwarten, ob die Bundesanwaltschaft Klage gegen sie erhebt - und kann solange nicht an ihren Arbeitsplatz nach Athen zurückkehren.

 

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