12.01.2004

Offener Brief

Freiburg:
Gegen den Abriß
dreier Kasernen im Vauban

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Quartier Vauban sollen dieser Tage drei Kasernen abgerissen werden. Um das zu verhindern und um gegen die Entscheidung des Stadtrats zu protestieren, wurden am Wochenende die Kasernen von BürgerInnen des Stadtteils besetzt. Diese Besetzung hat die ausdrückliche Unterstützung der überwiegenden Mehrheit der BürgerInnen des Quartier Vauban, die den Erhalt der Kasernen und die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in immer schwierigeren Zeiten will!

Der geplante Abriss ist eine ökologische, ökonomische und soziale Unvernunft und widerspricht ursprünglichen Beschlüssen des Freiburger Stadtrats für das Quartier. Denn von Beginn an, als auf dem ehemaligen Kasernengelände Vauban ein neuer Stadtteil von der Stadt Freiburg geplant wurde, war beabsichtigt, in diesem Stadtteil auch weniger einkommensstarke BürgerInnen anzusiedeln.

Dafür gab es einen entsprechenden Beschluss des Stadtrats.

Auch die BürgerInnen, die als anerkannte offizielle BürgerInnen- vertretung des künftigen Stadteils frühzeitig Mitte der neunziger Jahre den Stadtteil als sozial-ökologischen konzipierten, gemeinsam mit StadträtInnen durchsetzten und insofern die Pläne der Stadt den Erfordernissen der Zeit anpassten, legten auf eine Entwicklung Wert, die nicht nur einkommensstarken ermöglichte, sich die teuren Bauplätze im Quartier Vauban leisten zu können. Deshalb hatte das Wort sozial im sozial-ökologischen Konzept der BürgerInnen für den Stadtteil immer einen hohen Stellenwert. SUSI hatte den Anfang gemacht, die Genova und die vielen Baugruppen im Quartier Vauban, deren Mitglieder den Traum einer eigenen Wohnung so kostengünstig realisieren konnten, setzten es fort. Hier wurde neben den ökologischen Errungenschaften beispielhaftes geschaffen, was inzwischen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus hohe Anerkennung findet, als zukunftsweisend eingestuft ist.

Leider beschränkte sich dieses Tätigwerden für eine soziale Ausgewogenheit im Quartier überwiegend auf Initiativen von BürgerInnen! Die Stadtverwaltung Freiburg betrachtete die ökologischen und sozialen Initiativen immer äußerst kritisch, eine Unterstützung fand nur selten und leider oft nur auf Druck von BürgerInnen statt. Ein vermeintlich ökonomischer Druck, die Schaffung sog. Sachzwänge, ließ soziale Gesichtspunkte in den Hintergrund treten! So wurde z. B. der weitere Erhalt und die sinnvolle und soziale Nutzung wertvoller Bausubstanz durch Umgestaltung von Kasernengebäuden durch die Genova, die bewiesen hatte, daß die BürgerInnen in der Lage sind, aus dem Stand heraus sehr professionell Wohnraum zu erstellen, vor Jahren abgelehnt. Mit fragwürdigen Zahlen und Aussagen wurde nun das sinnvolle Projekt der Drei5Viertel-Genossenschaft im Stadtrat gekippt.

Wir BürgerInnen des Quartier Vauban sind damit nicht einverstanden! Wir wollen eine ausgewogene Zusammensetzung der Bevölkerung des Quartiers. Dieses Ziel, grundsätzlich richtig und eines, das auch eine langfristig ökonomische Perspektive hat, darf keinen kurzfristig ökonomischen Überlegungen oder der Lobby von Bauträgern geopfert werden. Wir wollen keinen Abriß guter Bausubstanz! Wir protestieren gegen eine Politik, die über unsere Köpfe hinweg entscheidet und unseren Willen nicht zur Kenntnis nimmt! Denn wir finanzieren diese Stadtentwicklungsmaßnahme!

Wir appelieren: Nehmen Sie die Entscheidung zum Abriss der drei Kasernengebäude rechtzeitig zurück und suchen Sie mit uns bzw. der Vertretung des Quartiers (Forum Vauban) und der Genossenschaft Drei5Viertel nach einer sinnvollen, sozialverträglichen, für das Quartier und die Finanzen passenden Lösung für die Nutzung der Kasernengebäude. Es gibt sie! Wir bitten um nichts mehr als um ökologische, ökonomische und soziale Vernunft!

 

Matthias-Martin Lübke
Gerda-Weiler-Str. 49

 

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