12.09.2007

Artenvernichtung beschleunigt

Gorillas und viele andere Arten immer seltener

Seit dem Jahr 2002 ist die Zahl der auf der 'Roten Liste'1 verzeichneten Arten um 44 Prozent von 11.167 auf 16.306 bedrohte Arten angestiegen. Dies veröffentlichte heute die Weltnaturschutzunion IUCN im schweizerischen Gland. Bei den Regierungen der Industrienationen widersprechen sich Worte und Taten nicht nur im Bereich Klimapolitik2 ganz offensichtlich. "Vor fünf Jahren versprachen die Regierungen auf dem Weltgipfel in Johannesburg eine Trendwende beim Artensterben bis 2010," merkt WWF-Artenschutz-Experte Stefan Ziegler verbittert an.

Dabei wäre eine radikale Umkehr dringend nötig, um den Verlust wertvoller Lebensräume und die Ausrottung zahlreicher Arten zu stoppen. Die Westlichen Gorillas in Zentralafrika gilt seit seit Jahren als vom Aussterben bedroht. Eine rücksichtslose Wilderei und das tödliche Ebola-Virus haben die Bestände der Menschenaffen im letzten Vierteljahrhundert um 60 Prozent schrumpfen lassen. Erst kürzlich hatten vom WWF unterstützte Wildhüter im Virunga Nationalpark im DR Kongo vier erschossene Exemplare der ebenfalls extrem bedrohten Berggorillas aufgefunden.

Zu den Neuzugängen auf der Roten Liste zählen erstmals auch drei Korallen- und zehn Algenarten. Ihnen setzen die Folgen des Klimawandels und die Fischerei zu. Jede vierte Säugetierart, jede achte Vogelart, jede dritte Amphibienart, jede fünfte Hai- und Rochenart und 70 Prozent aller erfaßten Pflanzenarten sind gefährdet. Lediglich für eine Art - den Mauritiussittich (Psittacula eques) - ging es im letzten Jahr dank aufwendiger Schutzmaßnahmen leicht aufwärts. Deutlich verschlechtert hat sich die Situation hingegen für Wollkopfgeier und Sperbergeier in Afrika. Ein Grund sind mit Insektiziden vergiftete Kadaver, die Farmer als Köder gegen Raubtiere zum Schutz ihrer Viehbestände einsetzen, von denen jedoch auch die Geier fressen.

In Pakistan setzte sich der WWF zum Schutz der Bengalgeier erfolgreich für ein Verbot des Entzündungshemmers Diclofenac in der Tiermedizin ein, an dem sich Geier beim Verzehr von Haustierkadavern vergiften - dadurch war die Population an den Rand des Aussterbens geraten.

Außer Lebensraumverlust, Wilderei und Umweltgiften gefährdet auch der nicht geregelte internationale kommerzielle Handel zahlreiche Arten. So gilt in der neuen Roten Liste der bei AquarianerInnen beliebte Banggai-Kardinalbarsch (Pterapogon kauderni) als gefährdet. Schätzungsweise 900.000 Fische werden jährlich in indonesischen Gewässern gefangen. Doch auch in Deutschland zählt Artenschutz nichts, wenn es um Profitinteressen geht: So ist der Energie-Konzern Vattenfall augenblicklich damit beschäftigt in der Lausitz, im Bundesland Brandenburg, eines der letzten Refugien der vom Aussterben bedrohten Rotbauchunke zu vernichten. Es geht dabei um den Abbau der äußerst klimaschädlichen Braunkohle.

 

REGENBOGEN NACHRICHTEN

 

Anmerkungen

1 Siehe auch unseren Artikel:

      Vattenfall zerstört Umwelt mit verbrecherischer Rücksichtslosigkeit
      (29.08.07)

2 Siehe auch unseren Artikel:

      Kabinettsklausur in Schloß Meseberg
      Ein Gipfel an Klima-Heuchelei (25.08.07)

 

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