4.07.2006

Zukunftschancen
für umweltschonenden Verkehr
im neuen Eurodistrikt

VCD und FNAUT wollen Baden und Elsaß mit »Freizeitfahrplan« verbinden

Am Mittwoch dieser Woche (5.07.06) wird / wurde der neue Eurodistrikt »Region Freiburg / Centre et Sud Alsace« ins Leben gerufen. Diese Gelegenheit nahmen der umweltpolitisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) und dessen französisches Pendant FNAUT Alsace wahr, um ihren neuen »Freizeitfahrplan« der Öffentlichkeit vorzustellen. Zusammen mit den Partnern SBG SüdbadenBus und dem elässischen Busunternehmen Kunegel luden sie zu einer Pressefahrt von Freiburg über Breisach nach Colmar und zurück.

Zusammenleben und deutsch-französische Begegnung zu fördern, stehen im Mittelpunkt des gemeinsamen grenzüberschreitenden Engagements. Solange die Verbindungen zwischen Badenern und Elsässern - ob auf Grund der Sprachbarriere oder wegen mangelhafter Bus- oder Bahnlinien - noch spärlich sind, blühen dies- und jenseits des Rheins die Vorurteile. Eines der Vorurteile, das in deutschen Köpfen tief verwurzelt ist, besagt, daß für eine Fahrt ins Elsaß nur das Auto in Frage komme. Ebenso existiert das Pendant in französischen Köpfen, wonach der Schwarzwald weder mit Bus noch mit Bahn zu erreichen sei.

Doch tatsächlich sind umweltschonende Verbindungen bereits besser ausgebaut, als ihr Ruf vermuten läßt. VCD und FNAUT Alsace haben zusammen mit ihren französischen und deutschen Partnern in monatelanger Vorbereitungszeit den »Freizeitfahrplan« entwickelt. Mit ihm sollen Bekanntheitsgrad und Attraktivität des bestehenden Angebots dies- und jenseits des Rheins gesteigert werden. Die zweisprachige Broschüre bietet einen Überblick über die bestehenden Verbindungen, ausführliche und erprobte Tourentipps machen Appetit auf Ausflüge ins Nachbarland und im Mittelteil finden sich sämtliche Fahrpläne. Ausflugslinien wie die Navette des Crêtes werden ebenso präsentiert.

Ein zentrales Element der Verbindungen ist dabei das ElsaßRegioTicket, das auf elsässischer Seite auf den Buslinien von Kunegel anerkannt wird. Mit weiteren Busunternehmen wird noch verhandelt. Der neue Eurodistrikt »Region Freiburg / Centre et Sud Alsace« wird nach Ansicht der VCD-Aktiven durch die Begegnung der Menschen mehr und mehr belebt. Denn je besser die Menschen sich über den Rhein hinweg - möglichst umweltverträglich - erreichen können, umso intensiver wächst Europa zusammen. Hannes Linck, Vorsitzender des VCD Südlicher Oberrhein, hat erkannt: "Der motorisierte Freizeitverkehr nimmt im neuen Eurodistrict mehr und mehr zu. Die Menschen sollen öfter zusammen kommen, aber mit möglichst wenig Umweltbelastung. Das ist bis heute nicht einfach, da nur wenige tägliche Busverbindungen Freiburg mit Colmar oder Mulhouse verbinden." Und Jean Dreyer, Präsident von FNAUT Alsace ergänzt: "Bis heute gab es im Elsaß keine Fahrpläne für die Züge von Freiburg in den Schwarzwald und in Südbaden keine für Busse und Bahnen in die Vogesen. Das haben wir geändert."

Neben besserer Information setzt daher der VCD zusammen mit seiner französischen Partner-Organisation FNAUT Alsace darauf, daß das ElsaßRegioTicket zunehmend von französischen Bus- und Bahnbetreibern anerkannt wird. Das ElsaßRegioTicket, das der RVF (Regio-Verkehrverbund Freiburg) im August 2003 einführte, ist bisher in Frankreich nur in Bussen zwischen Colmar und Breisach erhältlich. Selbstverständlich gilt das ElsaßRegioTicket wie die bekannte Regio-Karte zudem im gesamten RVF-Gebiet; es kostet 16 Euro, gilt für fünf Personen und für 24 Stunden. In Frankreich wurde das Ticket über die Strecke Breisach-Colmar hinaus bislang nur an Sonntagen von Mai bis Oktober auf der Navette des Crêtes anerkannt. Doch nur wenige Badener kennen diese Regelung und wissen, daß so die verschiedenen Pendelbusse zur Vogesen-Hochstraße benutzt werden können.

VCD und FNAUT Alsace hoffen darauf, daß das ElsaßRegioTicket möglichst bald von vielen Bus- und Bahnbetreibern im Raum Colmar anerkannt wird. Mit sanftem Druck weisen sie darauf hin, daß ein besonderer Werbeeffekt zustande käme, wenn das Ticket für einige Monate kostenlos akzeptiert würde. Ein attraktives Angebot sorge für eine beträchtliche Zahl von Neukunden und so für zusätzliche Einnahmen. Über die gegenseitige Verrechnung könnten sich die beteiligten Bus- und Bahnunternehmen nach dem Vorbild des Regio-Verbundes und anderer Verkehrs-Verbünde dann sicherlich leicht einigen. Als Beispiel dafür, daß ein attraktives Angebot auf große Resonanz stößt, verweist der VCD auf die neue Munstertal-Bahn, die Colmar mit Metzeral in den Vogesen verbindet.

[Foto der Munstertal-Bahn]

Ab diesem Sommer fahren auf der bislang nur für Güterzüge genutzten Schienenverbindung zwischen Müllheim und Mulhouse im 2-Stunden-Takt wieder Pendelzüge für den Personenverkehr. Die Fahrpläne sind mit den Zugverbindungen auf der Rheintalstrecke abgestimmt. Sie finden sich ebenfalls im »Freizeitfahrplan«. Und angesteckt durch den Erfolg der Munstertal-Bahn setzt sich eine elsässische Bürgerinitiative dafür ein, auf der Bahnlinie von Colmar über Neuf-Brisach bis Vogelgrun am Rhein wieder Personenzüge verkehren zu lassen.

 

Klaus Schramm

 

Anmerkungen

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