19.01.2008

Artikel

Strom-Kartell
auch in Großbritannien

"Big Six" treiben mit Absprachen Preise nach oben

Die sechs Konzerne British Gas, EdF, Npower (RWE) E.on, Scottish Power und Scottish and Southern, die 98 Prozent des britischen Energie-Marktes kontrollieren, treiben laut einem Bericht der Sunday Times die Preise mit Hilfe von Absprachen nach oben. Der Zeitung liegen interne Informationen vor, wonach die "Big Six" vierzehntägige "privaten und vertraulichen" Sitzungen eingerichtet haben, zu denen insbesondere kleinere Konkurrenten auf dem Energie-Markt nicht eingeladen werden. Die Treffen fänden in London im Hause der Energy Retail Association statt.

Auf Anfrage bestreitet der Direktor der Energy Retail Association, Duncan Sedgwick, die vertrauliche Runde nicht, behauptet aber, bei den Treffen sei es nie um Preisabsprachen gegangen. Vielmehr stehe das "Gemeinwohl" im Zentrum, Themen der Gespräche seien etwa die Treibhausgasemissionen, intelligente Zähler oder Abrechnungsverfahren gewesen.

Bei zweien der "Big Six" handelt es sich um die deutschen Strom-Oligopolisten RWE, der in Großbritannien unter dem Firmenschild Npower auftritt, und um E.on, die gemeinsam mit Vattenfall und EnBW den deutschen Strommarkt beherrschen. Gegen diese vier Konzerne hat in Deutschland das Kartellamt brisantes Material gesammelt, das nach Insider-Angaben ein Kartell der "Großen Vier" zum Zwecke von Preisabsprachen beweist.1 So wurde der Strompreis in Deutschland in den letzten sieben Jahren um rund 50 Prozent nach oben getrieben.

Nun werden auch in Großbritannien immer mehr Stimmen laut, die Energie-Konzerne würden wie in Deutschland über Absprachen die Preise in die Höhe treiben, um auf diese Weise hier wie dort Rekord-Gewinne einzustreichen. Und ähnlich wie in Deutschland sind die Preiserhöhungen zum Jahreswechsel dreist. Die britischen VerbraucherInnen müssen in diesem Jahr durchschnittlich 10 Euro im Monat mehr für Gas und 7 Euro im Monat mehr für Strom berappen. Begründet werden die Preiserhöhungen von RWE mit "dramatisch höheren" Kosten auf dem Weltmarkt, höheren Netzkosten und mit Investitionen, die vom Staat erzwungen wurden, um eine bessere Energieeffizienz zu erreichen.

Die "Big Six" waren in Großbritnnien auf den Plan getreten - ähnlich wie in Deutschland die "Großen Vier" mit einem Jahrzehnt Verspätung - , nachdem die Thatcher-Regierung in den 1980er Jahren die Privatisierung des britischen Energie-Marktes einleitete. Und ähnlich wie die "Großen Vier" in Deutschland haben die "Big Six" in Großbritannien den Markt untereinander aufgeteilt, ohne daß es zu einer ernsthaften Konkurrenz gekommen wäre. Die Vorhersagen der neoliberalen Theorie von Konkurrenz und sinkenden Preisen wurden längst von der Realität widerlegt.

Statt dessen wird kleineren oder neu entstehenden Konkurrenten der Zugang zum Markt erschwert und Wettbewerb so verhindert. Nach einer britischen Untersuchung haben die "Big Six" seit September 2004 die Preise zu mindestens vier Gelegenheiten im Abstand von wenigen Wochen angehoben, während sie bei sinkenden Einkaufspreisen etwa bei Gas dies nicht an die KundInnen weiter gaben. Und nach einer von der Sunday Times aktuell veröffentlichten Umfrage, sind 89 Prozent der BritInnen der Ansicht, daß sie von den Energie-Konzernen ausgenommen werden.

 

REGENBOGEN NACHRICHTEN

 

Anmerkungen

1 Siehe hierzu unseren Artikel:

      E.on, RWE, EnBW und Vattenfall treiben die Strompreise hoch
      Kartellamt sitzt auf brisanten Ermittlungsdaten (5.11.07)

Siehe auch unsere Artikel:

      Neubau britischer AKWs aus Steuermitteln?
      Sterbende britische Atom-Branche hofft auf Brown (11.01.08)

      'British Energy' und der europäische Atom-Ausstieg
      Blair kämpft ums Überleben des Atom-Konzerns 'British Energy'
      (8.05.04)

 

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