22.08.2009

Plastik-Reste
bedrohen die Weltmeere

Europa stellt weltweit ein Viertel der Menge an Plastik her: rund 60 Millionen Tonnen pro Jahr. Diese Angaben stammen vom Dachverbandes europäischer Kunststoffhersteller 'PlasticEurope'. Mit der unvorstellbaren Menge, die in 100 Jahren produziert wurde, ließe sich der Erdball sechsmal umwickeln.

Die Dauerhaftigkeit von Plastik ist leider zugleich ein ökologischer Nachteil. Jede Stunde werden laut der Meeresschutzorganisation Oceana weltweit etwa 340 Tonnen Plastikmüll ins Meer geworfen. Bis zu 18.000 Plastikteile treiben laut der Umweltgruppe der Vereinten Nationen (UNEP) in jedem Quadratkilometer der Ozeane. Östlich von Hawaii hat sich in der Meeresströmung ein Strudel aus drei Millionen Tonnen Plastikmüll gebildet. In 40 Jahren ist er nahezu unbeachtet auf eine Fläche von 1.391.242 Quadratkilometer angewachsen - größer als Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen zusammen.

"Nach der Steinzeit, der Bronze- und der Eisenzeit haben wir jetzt die Plastikzeit. Wir sind Kinder des Plastikzeitalters", heißt es im neuen Film von Werner Boote. Vor fast zehn Jahren hat Boote mit den Recherchen zu seinem Dokumentarfilm "Plastic Planet" begonnen. Die Leidenschaft kommt bei ihm nicht von ungefähr: sein Großvater war Geschäftsführer der deutschen 'Interplastik-Werke'. Von ihm bekam er seine ersten Plastikspielzeuge geschenkt. Später wich die kindliche Begeisterung einem kritischen Wissensdurst.

Da der Müll in internationalen Gewässern schwimmt, fühlt sich keine Regierung dafür verantwortlich, und so wird sich das riesige Plastik-Karussell weiter drehen. Längst besteht der Sand am Grunde der Meere und an den Stränden bereits zu einem gewissen Prozentsatz aus Kunststoff. Seevögel wie der Albatros fressen oder verfüttern das Plastik als vermeintliche Nahrung an ihre Küken. So verenden jährlich über eine Million Seevögel am Plastikmüll.

Und die Menschen? Plastik ist wortwörtlich in Fleisch und Blut übergegangen. Vor allem die weltweit am häufigsten eingesetzte Industriechemikalie Bisphenol A findet sich in menschlichem Fettgewebe und im Blut. Als Hauptbestandteil von Polycarbonatplastik ist sie in unzähligen Produkten enthalten, zum Beispiel in Gehäusen diverser Elektrogeräte oder als Bestandteil von CD-ROMs und DVDs. Außer im Blut wurde sie auch im Urin, im Fruchtwasser und in der Follikelflüssigkeit, in der die Eizelle heranreift, nachgewiesen. Verfrühte Geschlechtsreife, Prostata- und Brustkrebs sowie Fehlbildungen der Sexualorgane sind nur einige der vermuteten Auswirkungen.

Der Dokumentarfilm Werner Boote trägt seinen Titel, "Plastic Planet", zu Recht: Von Österreich über Japan und Kolkata in Indien bis in die USA recherchierte das Team und ließ kaum einen Winkel unseres Plastik-Planeten aus.

Hinweis:
Filmstart für Österreich ist der 18. September 2009. Wann die deutsch-österreichische Produktion in bundesdeutsche Kinos kommt, steht bislang noch nicht fest.

 

REGENBOGEN NACHRICHTEN

 

Anmerkungen

Siehe auch unsere Artikel:

      Plastik-Reste bedrohen die Weltmeere
      Riesige schwimmende Müllhalden (22.08.09)

      Hormone im Mineralwasser
      Plastikflaschen nach wissenschaftlicher Studie in der Kritik
      (12.03.09)

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      Immer weniger Schweinswale (28.01.09)

      Plünderung der Ozeane im Endspurt
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      ICCAT-Konferenz segnet Zerstörung der Ozeane ab
      Keine Chance für den Roten Thunfisch (18.11.07)

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      EU läßt Plünderern der Ozeane freie Hand
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      Plünderung der Ozeane nahezu vollendet
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      Die Ostsee stirbt
      Deutschland schaut zu (28.09.07)

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      (11.01.05)

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      Gift in Schwimmringen und Badelatschen (29.06.04)

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      (9.04.04)

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