Am heutigen "Tag der deutschen Einheit" offenbarte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in London vor Investoren die Größenordnung der in den letzten vierzehn Tagen1 nur scheibchenweise eingestandenen Verluste. Nachdem am Montag bereits die Schweizer Großbank UBS und die größte US-Bank Citigroup milliardenschwere Abschreibungen auf Kredite hatten einräumen müssen, belaufen sich die Abschreibungen bei der Deutschen Bank laut Ackermann auf 2,2 Milliarden Euro.
Da jedoch wegen des Nachfrageeinbruchs die Preise für hypotheken-gedeckte Wertpapiere (MBS) nun kaum ermittelt werden können, handelt es sich bei den bisherigen Angaben der Banken lediglich um Schätzwerte. Die Deutsche Bank beispielsweise sitzt auf "Akquisitionsfinanzierungen" mit einem Gesamtvolumen von 29 Milliarden Euro. Da diese Kredite zur Zeit unverkäuflich sind, wurde ein fiktiver Wertverlust in die Bilanz geschrieben, den die Bankiers als "Abschreibung" bezeichnen. Dieser Wertverlust kann jedoch je nach weiterem Verfall der Immobilienpreise in den USA letztlich etwa auch bei 20 Milliarden Euro liegen. Es ist also offen, ob es sich diesmal um die letzte Offenbarung des Josef Ackermann handelte.
Mit dem nun präsentierten Bilanzüberblik stellt sich die Deutsche Bank in strahlendem Licht dar: Per Saldo bleibt im dritten Quartal immer noch ein Gewinn von 1,4 Milliarden Euro. Im einzelnen gab die Deutsche Bank ihre Abschreibungen mit 700 Millionen Euro auf Kredite für Unternehmens-Übernahmen und mit 1,5 Millionen Euro im Geschäft mit Wertpapierarten an, die "zum Teil" mit Wohnimmobilien besichert seien. Dem gegenüber stehen Gewinne aus dem Privatkundengeschäft und der Vermögensverwaltung. Zudem kam der Deutschen Bank ein "Sondereffekt" durch den Verkauf des Gebäudes ihrer US-Zentrale in New York zugute. Ein weiterer "Sondereffekt" waren Steuererstattungen. Die endgültigen Zahlen zum gerade abgelaufenen dritten Quartal will die Deutsche Bank am 31. Oktober präsentieren.
Nachdem die Aktie der Deutschen Bank in den vergangenen Monaten um über 15 Prozent an Wert verloren hatte, legte sie nun um mehr als zwei Prozent zu. Gerüchte besagen, dies sei ein Zeichen dafür, daß die AnlegerInnen die "neue Offenheit" der Deutschen Bank honorierten. Ebensogut kann es sich jedoch auch um einen Effekt durch Stützungskäufe handeln. Hoffnung wird verbreitet, daß "nunmehr das Schlimmste überstanden" sei. Bemerkenswerter Weise sind seit Tagen die Rufe der BerufsoptimistInnen verstummt, die noch im August und September in regelmäßigen Abständen erklärten, es finde keine Banken-Krise statt oder die sich an den verharmlosenden Begriff der Kredit-Krise klammerten.
REGENBOGEN NACHRICHTEN
Anmerkungen
1 Siehe hierzu unsere Artikel vom 19.09. und 20.09.
Banken-Krise: Citigroup schockt die Märkte
Milliardenschwere Abschreibungen (2.10.07)
Schweizer Großbank UBS im Sog
Rund vier Milliarden Franken abgeschrieben (1.10.07)
Banken-Krise: Verkaufsgerüchte um Bear Stearns (26.09.07)
Banken-Krise erreicht Japan
Mitsubishi UFJ muß Investments überprüfen (24.09.07)
Harman-Übernahme platzt wegen Banken-Krise (23.09.07)
US-Banken unterschiedlich stark von Banken-Krise betroffen
Goldman Sachs unbeeindruckt, Bear Stearns angeschlagen
(21.09.07)
Ackermann: Deutsche Bank
doch von Banken-Krise betroffen (20.09.07)
Morgan Stanley von Banken-Krise schwer getroffen
Abschreibung von einer Milliarde US-Dollar im dritten Quartal
(19.09.07)
Fed senkt Leitzins drastisch
Angst vor Wirtschaftskrise war größer als die vor Inflation (18.09.07)
Banken-Krise: Northern Rock, deutsche Immobilienbanken
und europäische Konjunktur (17.09.07)
Northern Rock in Schieflage
Banken-Krise erfaßt Großbritannien mit voller Wucht (14.09.07)
EZB pumpt immer mehr
Banken-Krise tiefgreifender als bislang erkennbar (12.09.07)
Banken-Krise:
Der europäischen Industrie brechen Aufträge weg (6.09.07)
EZB unterläßt Zinserhöhung
Banken-Krise gefährdet Preis-Stabilität (6.09.07)
Kakophonie
Steinbrück: "Banken-Krise ist ernst"
Haasis: "Wir hatten keine Banken-Krise"
(4.09.07)
Der Griff ins fallende Messer
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US-Präsident G. W. Bush will Kreditkrise überwinden
Stiglitz hält Rezession für möglich (31.08.07)
Kredit-Krise trifft halbstaatlichen US-Immobilien-Konzern
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